|
In Cuba leben ca. 11 Millionen Menschen, wovon ein Fünftel allein in der Hauptstadt Havanna wohnt. Dabei hat sich die Bevölkerung im Laufe des letzten Jahrhunderts verfünffacht, etwa eine Million Menschen sind pro Jahrzehnt dazugekommen. Entstanden sind dabei ein ganz besonderes Miteinander und viele kulturelle Besonderheiten.
Allein an der Tatsache, dass es im cubanischen Spanisch (Spanisch ist Amtssprache) eine Vielzahl von Begriffen gibt, die die unterschiedlichsten Teints beschreiben, kann man erkennen, dass auf Cuba in Sachen Hautfarbe alles zwischen „weiß“ und „schwarz“ vertreten ist. Daher kann man die Bevölkerung in ca. 51% Weiße, 12% Schwarze und 17% Mulatten und Mestizen (Menschen mit indianischen oder europäischen Vorfahren) einteilen, muss diese Werte jedoch mit Vorsicht genießen. Andere Statistiken zählen deutlich mehr Weiße zu den Mulatten und Mestizen oder andersherum. Ethnische Minderheiten sind nicht vertreten, was ein harmonisches Zusammenleben ohne Diskriminierung ermöglicht. Von den indianischen Ureinwohnern leben allerdings kaum noch welche.
Besonders hervorzuheben ist die cubanische, dem Leben gegenüber positiv gestimmte Mentalität. Die unserem Lebensstil grundsätzlich unterschiedliche Lebensphilosophie der Cubaner führt nicht selten zu kleinen „Kulturschocks“. Das Miteinander der Cubaner ist durch Geselligkeit, Leidenschaft, Vitalität, Solidarität und Stolz geprägt.
Die Menschen Cubas geben sich besonders kontaktfreudig und extrovertiert. Cubaner sind so gut wie nie alleine, immer im Freien und selten länger ohne Partnerschaft. Der europäische Wunsch nach Ruhe ist weitgehend unbekannt. Cubaner zeigen schnell Leidenschaft, offene Sinnlichkeit und Emotionen. Tanz, Rhythmus und erotische Annäherungen sind sehr beliebt, Spontaneität ist allgegenwärtig. Die Hauptsache ist, dass etwas passiert, Langeweile gilt als größter Feind.
Das Gespräch hat demnach eine hohe Bedeutung. Leidenschaftliche Gefühlsäußerungen, Übertreibungen und Bekräftigungen gehören dabei zur normalen Ausdrucksform. Ein Gesprächsstoff wird immer gefunden, oft sind es alltägliche Probleme. Man spricht mit jedem aus dem Stand heraus über alles, auch mit völlig Fremden. Viele Witze, Wortspiele und Andeutungen repräsentieren dabei häufig den cubanischen Humor, der gerne auch derb, direkt und erotischer Natur ist.
Der cubanische Stolz basiert auf dem Prinzip der Ehre. Ehrenrührige Angriffe gegen Angehörige enden somit meist in Handgreiflichkeiten. Man ist stark bemüht, nicht das Gesicht zu verlieren. Wehrt man sich nicht, sinkt schnell die Achtung der Mitmenschen. Fremden gegenüber sind die Cubaner in der Regel offenherzig und gastfreundlich. Eigenartigerweise ist trotz der enormen Vitalität eine gewisse Lethargie zu beobachten. Man geht das Leben unabhängig und leicht an, das ganze cubanische Augenmerk liegt auf dem Augenblick. Das souveräne Zeitgefühl führt so oft zu ständigem Zuspätkommen.
Cuba ist ein wirtschaftlich armes Land, so arbeitet die Bevölkerung für das Überleben und es kommt zum Wetteifer. Rund vier von den elf Millionen Cubanern sind berufstätig. Bereits die Revolution hat ihren Schwerpunkt auf das Bildungs- und Gesundheitsverbesserung gelegt. Heute ist beides hervorragend ausgebaut, Cuba hat in der Region den mit Abstand höchsten Bildungsstandard. Bis zur neunten Klasse besteht allgemeine Schulpflicht. Die Schule ist ganztags, wobei die Schüler auch einige Stunden in der Woche Feldarbeit leisten. Die Alphabetisierungsquote auf Cuba liegt bei 96%.
Die Hälfte der Einwohner ist inzwischen katholischen Glaubens, doch immer noch findet man große Einflüsse aus afrikanischen Glaubensgewohnheiten. Besonders der Santería-Kult hat ebenfalls eine hohe Bedeutung auf Cuba. Bemerkenswert ist dabei die Vermischung von Glaubensritualen: Elemente von kultartigen Götterzeremonien sind in den christlichen Glauben integriert worden und umgekehrt.
In den letzten 30 Jahren hat sich die Stellung der Frau maßgeblich verändert. Vor dem Gesetz ist sie dem Mann vollständig gleichgestellt, der weit verbreitete Machismo steht dem jedoch ein wenig im Wege. Die Hälfte der Frauen ist berufstätig, für junge Frauen ist das eine Selbstverständlichkeit. An Universitäten sind genauso viele Studentinnen wie Studenten, ein Drittel der Regierungsangehörigen sind Frauen.
Cuba hat eine sehr ausgewogene Alterspyramide. Aufgrund des herausragenden Gesundheitssystems liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 77 Jahren und ist damit deutlich höher als zu Zeiten vor der Revolution und inzwischen fast so hoch wie in Deutschland. Das Bevölkerungswachstum liegt derzeit aufgrund von leichtem Geburtenrückgang bei 1%.
|