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Cuba genießt verdientermaßen den Ruf eines Kunst- und Kulturlandes. Die vielen kulturellen Einflüsse und Vermischungen im Schmelztiegel Cuba spiegeln sich auch hier in jedem Bereich wieder und erschufen eigenständige Kulturphänomene. Kunst und Kultur werden in der Gesellschaft Cubas stark gefördert, allerdings auch überwacht und zensiert. Alles in allem bietet Cuba jedoch eine durch die geschichtlichen Umstände einzigartige Kunst-, Literatur-, Architektur- und Filmwelt.

Die Vielzahl der Kultureinrichtungen ist einer der größten Unterschiede zu den anderen Antillen: Über 300 Museen, 120 Kunstgalerien, 70 Theaterbühnen, 350 öffentliche Bibliotheken und 46 Ausbildungsstätten für Künstler bieten eine Fülle von kulturellen Zugangsmöglichkeiten. In jeder auch noch so kleinen Stadt befindet sich eine Casa de Cultura, wo von moderner Comedy bis zu traditioneller Musik alles auf die Bühne kommt. Viele Theater, Organisationen und Institute bieten anspruchsvolle Kunst von Qualität, und dies meist kostenlos. Dabei haben sich die Cubaner aller erdenklichen Kulturformen virtuos angenommen, von Ballett, Shakespeare’schem Theater, alternativen Kinos bis zu Romaninterpretationen ist alles zu haben.

Literatur hat eine besondere Bedeutung in diktatorischen Verhältnissen, da Schreiber als erstes auf politische und soziale Missstände hinweisen. Somit unterliegen auf Cuba Autoren (und Künstler) aller Art starker Kontrolle und Überwachung von staatlichen Organisationen. Dennoch hält die cubanische Freude an Kunst und Kultur seit der Bildungsreform bis heute an. Gerade Gedichte genießen hohe Beliebtheit, nicht selten rezitieren Cubaner untereinander Verse.

Die Literatur entfernte sich Anfang des 19. Jahrhunderts von spanischen Einflüssen und wurde eigenständig. Bedingt durch die diktatorische Lage wurde die Kritik von Seiten der Schreiber direkter, der Wunsch nach Freiheit größer. José Martí (1853 - 1895) war dabei Richtungsweiser und ist bis heute Cubas größtes literarisches Vorbild. Er war Visionär, Patriot und Rebell und kreierte über 30 Bänder voller Dichtungen, Theaterstücke und Essays. Er musste bereits vor seinem 20. Lebensjahr Cuba verlassen und ging ins Exil.

Neben Martí nehmen auch der Mulatte Nicolás Guillén (1902 - 1989) und der Franco-Cubaner Alejo Carpentier (1904 - 1980) große Bedeutung ein. Beide kehrten nach der Revolution nach Cuba zurück und genossen hohes Ansehen auf Cuba. Guillén war mit seinen rhythmischen Gedichten seiner Zeit voraus und war als Kommunist bis zu seinem Tod Nationalpoet. Beide Autoren schrieben über Rassenpolitik. Der berühmteste ausländische Stadtschreiber Cubas ist Ernest Hemmingway.

Doch viele andere Autoren, Castro-Kritiker oder Schreiber mit Vorbehalten gegenüber dem politischen System, mussten auch nach der Revolution ins Gefängnis oder Cuba verlassen, so auch der Dramatiker Reinaldo Arenas oder Guillermo Cabrera Infante. Seit der Revolution hat sich in Sachen Autorenzensur kaum etwas seit Batistas Diktatur geändert. So wurde beispielsweise María Elena Cruz Valera zunächst mit dem Nationalpreis für cubanische Poesie ausgezeichnet, anschließend aber für ihre ablehnende Haltung Castro gegenüber für zwei Jahre inhaftiert, musste ins Exil gehen und gilt heute als Staatsfeind. Autoren aller Genres unterliegen strengen Beschränkungen. Angepasste Autoren genießen Prestige, Dissidenten werden verhaftet und aus der Geschichte gestrichen.

Cubas Kunst ist breit gefächert. Trotz der jahrzehntelangen Zensur ist die Malerei und Bildhauerei sehr aktiv. Künstler finden viele Möglichkeiten zur Ausbildung und Förderung, wenn sie mit dem Regime kooperieren. Havanna ist vermutlich das Zentrum für Kunsteinrichtungen wie das nationale Kunstmuseum oder das Museo Nacional de Bellas Artes. International ist Wilfredo Lam der bedeutendste cubanische Künstler. Von kubistischen und surrealistischen Einflüssen geprägt, kehrte dieser 1941 nach Cuba zurück und erschuf „La Jungla“, welches heute als eines der repräsentativsten Gemälde der dritten Welt gilt.

Moderne cubanische Kunst ist offen, unverkrampft und sinnlich. Für Kunstliebhaber einzigartig sind dabei die Kombinationen von bunten Arfo-lateinamerikanischen Farben mit grauer Realität durch die fast fünfzig Jahre alte Revolution. Ein einzigartiges Sub-Genre ist mit der kraftvollen cubanischen Posterkunst zu entdecken. Im Zuge des 60er Jahre-Pop haben Künstler innovativ den sozialistischen Realismus mit lateinamerikanischen Einflüssen und einer auffälligen Bildersprache gemischt und somit einzigartige Werke zustande gebracht.

Auch architektonisch bietet Cuba viel. Stilistisch wurde auch die cubanische Architektur von vielen Kulturen inspiriert, so herrscht auf Cuba ein Sammelsurium verschiedener Stilrichtungen. Vom Spanisch-Maurischen Barock, französischem Neuklassizismus, Eklektizismus und Modernismus ist alles zu sehen. Grandiose Häuserfronten, Säulenformen, barocke Schnörkel und hoch aufragende neoklassizistische Meisterwerke geben Cuba ein schönes Antlitz.

Insbesondere durch Baudenkmäler aus der Kolonialzeit ist Cubas Architekturerlebnis grandios. Trinidad, Cienfuegos und Habana Vieja sind zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden und durch ihren durchgängigen Altbauhäuserbestand architektonische Highlights. Auffallend sind die vielen monumentalen spanischen Festungen, welche im 16. und 17. Jh. gegen Piraten errichtet worden sind. Doch auch prächtige Sakralanlagen, wie die Santa Clara oder die Catedral de San Cristóbal, sind insbesondere in Havanna zu sehen. Durch Statussymbole reicher Plantagenbesitzer gibt es viele koloniale Großhäuser, dem Haute Couture von Italien, Frankreich und dem Georgianischen England ähnlich. Gerade Trinidad spiegelt bis heute das Aussehen einer Kolonialstadt wieder, und dies in perfekt erhaltenem Zustand.

Doch nichts repräsentiert die Mentalität der Cubaner mehr als die cubanische Musik. Auf Cuba ist die Musik allgegenwärtig und tief mit dem Land verbunden. Die Cubaner lieben Gesang, Tanz und Rhythmus. Die cubanische Musik ist durch Leidenschaft, Emotion und Erotik geprägt. Viele kulturelle Einflüsse haben eine einzigartige Vermischung von cubanischen Klängen hervorgebracht, viele Tänze und Stilrichtungen sind heute weltbekannt, so z.B. der Son, Cha-Cha-Cha, Mambo, die Salsa und der Reggaeton. Aufgrund der großen Bedeutung der cubanischen Musik hat diese ihre eigene Rubrik unter „Spezialitäten“ erhalten, wo Sie Genaueres finden können.

Eine eigenständige cubanische Filmproduktion gibt es erst seit der Revolution. Die Filmindustrie wird vom ICAIC (Instituto Cubano del Arte e Industria Cinematográficos) betrieben und genießt seit 1959  einen rapiden Aufschwung. Bereits sehr früh hat man sich weniger an Hollywood orientiert, sondern sich auf die Geschichte, Kultur und Probleme der cubanischen und lateinamerikanischen Bevölkerung konzentriert. Der cubanische Filmraum ist fast autonom, kritisch und direkt. Es werden viele Themen, die im Allgemeinen in Cuba nicht beachtet werden, angegangen, wie Frauenhass und Homosexualität. Repräsentativ ist der für einen Oscar nominierte Film „Erdbeer und Schokolade“ von 1993, der Homosexualität in Cuba thematisiert. Die cubanischen Filme haben mittlerweile einen international anerkannten hochwertigen Ruf.

Das jährliche "Festival Internacional del Nuevo Cine Latinoamericano" in Havanna ist vergleichbar mit Cannes. Es ist der Dreh- und Angelpunkt für die gesamten lateinamerikanischen Filmproduktionen. Cubaner sind begeistere Cineasten, lange Warteschlangen an den Kinokassen sind nicht selten. Das Angebot an internationalen Filmen ist hoch, meist sind die Filme synchronisiert.

Das Fernsehen besitzt drei öffentliche Kanäle, ohne Werbung, dafür auch ohne jeden Charme und mit Botschaften wie „Konsumiere nur, was nötig ist“. Bildungsprogramme überwiegen, die Nachrichten sind eine Lobrede über die guten Taten Cubas und die schlechten der USA. Telenovelas sind allerdings nationale Leidenschaft.

Im Bereich der Medien liegt generell das größte Versagen der Revolution. Alle cubanischen Medien sind nach der Verfassung Staatseigentum und dienen dementsprechend der Staatspropaganda, werden zensiert und stark reglementiert. Die einzige nationale Tageszeitung nimmt alleine Politik propagandistischer Natur zum Thema. Die Kontrolle über die Medien zu erlangen, war eine der ersten Taten Castros bei seiner Machtübernahme. Journalisten und Autoren müssen unter strengen Pressegesetzen handeln, Cuba gilt als weltweit größter Kerkermeister für Journalisten. Privatbesitz elektronischer Medien ist weitgehend verboten. Das Internet ist nur unter starken Restriktionen und Zensuren zugänglich, es haben auf Cuba nur etwa 1,7 Prozent der Bevölkerung einen Internetzugang.